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Literaturhinweise:
(*1) Zu ihrer Bedeutung siehe den bemerkenswerten Aufsatz von Walther Föhl, Johann und Aegidius Gelen aus Kempen, in: Heimatbuch des Grenzkreises Kempen-Krefeld 8 (1957),
S. 49 - 55.

Veröffentlicht wurde die Zeichnung unter anderem von Hans Kisky, Kempen - Rheinische Kunststätten, Neuss 1955; in: Kund und zu wissen... Kempens Geschichte in alten Urkunden, herausgegeben vom Kempener Geschichts- und Museumsverein, Kleve o. J., S. 35; im Heimatbuch Viersen 33 (1982), S. 70; von Wulf Habrich, Struktur und Lebensqualität einer Stadt: Die Sanierung der niederrheinischen Stadt Kempen, in: Campunni - Kempen. Geschichte einer niederrheinischen Stadt. Bd. 2: Aufsätze, S. 355, nach Ingo Beucker, in: Die Heimat (Krefeld) 1934.

(*2) dazu Jakob Hermes, Johannes Wilmius, Chro­nicon Rerum Kem­pen­si­um. Nach­richten aus Pfarre und Stadt Kempen, Krefeld 1985, S. 41

(*3) (Fried­helm Weinforth, 1390 - 1990. 600 Jahre Stiftung Hospital zum Heiligen Geist, S. 38.)

(*4) Vera Lüpkes, Das ehemalige Franziskanerkloster in Kempen, in: Campunni - Kempen. Geschichte einer niederrheinischen Stadt. Bd. 2: Aufsätze, S. 421 - 442,
hier S. 425

(*5) Wilmius, S. 107

(*6) Wilmius, S. 131


Propsteikirche

Paterskirche

Turmwindmühle

Gartenhäuschen

Annakloster heute

Das ursprüngl. Kuhtor




Kempen in alten Ansichten – Teil II
von Hans Kaiser
2. Vor dem Hessensturm. Älteste bekannte Silhouette der Stadt Kempen aus der Sammlung des Aegidius Gelen

Bild 2: Stadtansicht aus den Farragines Gelenii

2.1. Das Original und seine Publikationen.

Unser Bild findet sich in Band 10 der Farragines (zu deutsch: Mischfutter) genannten Sammlung historischer Nachrichten des Aegidius Gelenius, eines gebürtigen Kem­pe­ners, der es bis zum Weihbischof von Osnabrück brachte. Es stellt Kempen etwa um 1640 dar, von Südosten gesehen. Die Skizze ist grob und perspektivisch ungenau - aber sie ist nun einmal die einzige zeitgenössische Stadt­ansicht, die uns ein Bild vom mittelalterlichen Kempen mit seiner prägenden Befestigung überliefert.
Die Federzeichnung befand sich im Archiv der Stadt Köln, das die Sammlung geschichtlicher Nachrichten der Brüder Johann und Aegidius Gelenius aufbewahrte. Am 3. März 2009 wurden die 33 Farragines-Bände beim Einsturz des Stadtarchivs in die Tiefe gerissen; ob die wertvolle Zeichnung noch existiert, wissen wir nicht.
Nach den beiden Brüdern ist in Kempen die Geleniusstraße benannt. (*1)


2.2. Zur Deutung
Auf dieser Zeichnung wird Kempen als „Stadt um die Kirche“ sichtbar. 1482 wurde die Pfarrkirche St. Mariä Geburt in ihrer heutigen Gestalt fertig gestellt - nach einer Bauzeit von fast 300 Jahren. Auf das Gotteshaus hin ist die Gestalt der Besiedlung ausgerichtet: Die Kirche steht im Zentrum des befestigten Rundlings, aus dem Kempen damals besteht. Die vier Hauptstraßen laufen genau auf sie zu und auf den Markt, der vor ihrem Portal entstand. Die Menschen hängen an ihrer Pfarrkirche. Kaum einer, der sie damals in seinem Testament nicht mit einer Stiftung oder Spende bedenkt. Sogar die Burg des Landesherrn, des Erzbischofs von Köln, tritt durch ihre Randlage merklich hinter das Gotteshaus zurück.


Um St. Mariä Geburt herum gruppiert sich ein Kranz höherer Gebäude: Die Franziskanerkirche, die Windmühle, das Nie­ven­heim­sche Haus (Abb. links) als größtes der alten Bür­ger­häuser. Aber: Je näher man dem Gotteshaus kommt, um so mehr schwinden die Gebäude in ihrem Ausmaß.
Bei genauerem Hinsehen zeigen sich einige bemerkenswerte Einzelheiten.
Auf uns wirken die geschwungenen Dächer der 1634 zum barocken Schloss umgebauten Burg ein bisschen orientalisch. Das Turmdach der Pfarrkirche wurde offensichtlich mit dem Lineal gezeichnet. – Im Gegensatz zu der 1967 an der Wallmühle erstellten Rekonstruktion hat die Mauer kein Schutzdach.

Das Haus im Petertor ist wohl das Wächterhaus (Abb. Detail links; heu­te Gärt­ne­rei) ge­we­sen.
Bemerkenswert ist links von der Kirche das Frau­en­klos­ter St. An­na, (Abb. rechts), dem 1477 Papst Six­tus IV. den Bau eines niedrigen Glockent­urms gestattete. (*2)
Noch weiter links zeigt sich mit ihrem Turm die Heiliggeistkapelle (Abb. links), deren Abbruch 1827 der Bi­schof von Münster genehmigte, "da seit un­vor­denk­lichen Zeiten nicht mehr zum Gottesdienst benutzt." Zum Abbruch ist es dann doch nicht gekommen; die Kapelle wurde erst als Hotel, später als Frisiersalon genutzt. In den 60er Jahren kam sie an die Volkshochschule und diente später wieder den Schwestern vom Gemeinsamen Leben als Gebetsraum. Bis vor kurzem befand sich hier eine Handlung für geistliche Bücher. Zurzeit wird eine neue Verwendung gesucht. (*3)
Die Mühle hat noch ihre Turmhaube, die sie bei der Beschießung durch Hessen und Franzosen am 7. Februar 1642 verlor. Erst 1652 beschloss der Stadtrat, das Dach wiederherzustellen, aber erst 1660 erhielt der Turm ein neues Dach. Links von der Mühle bildet die Ellenpoort den Abschluss.
Gleiten wir mit den Augen in die rechte Stadthälfte. Rechts von der Pfarrkirche erhebt sich die Paterskirche – die Kirche des Fran­zis­ka­ner­klosters. Ist das Gebäude mit Dachreiter und Gockelhahn unterhalb der Franziskanerkirche (etwa an der Stelle des heutigen Gartenhauses) ein eigenes Kapellchen der Franziskaner?
Ist in ihm das Bethaus (Oratorium) zu sehen, mit dessen Bau die Mönche am 25. November 1625 begannen? Die Position in der Zeichnung stimmt in etwa mit der Lage des Katharinenhofes überein, den die Franziskaner am 11. August 1624 als erste Niederlassung erworben hatten.
Der Katha­rinenhof lag ungefähr an der Stelle des heutigen Gartenhäuschens (S. Rekonstruktion und heutiger Zustand; Abb. rechts), das die Grenze des Klostergeländes markiert.
Nach Fertigstellung der Außenarbeiten an der neuen Paterskirche wurde das alte Bethaus niedergelegt. Erst 1630 zogen die Franziskaner aus dem Katharinenhof in den gerade erst fertig gestellten Konvent. (*4)
(Abb. links: Ausschnitt aus Gelenius, auf dem das vermutete erste Fran­zis­ka­ner-­Bethaus zu sehen ist)

Zur Datierung der Zeichnung:
Am 16. und 17. April 1637 errichteten die Franziskaner das Türmchen über dem Chor und den Glockenturm. (*5)
Am 29. Mai 1637 setzten sie das Kreuz auf den Turm ihrer Kirche und ruhten nicht eher, bis sie das Werk durch Aufsetzen des Tritons (= Turmhahns) abgeschlossen hatten. Auffallend ist, dass die Zeichnung nur den Glockenturm mit seinem Hahn zeigt, den Dachreiter aber auslässt. Wie auch immer: Die Zeichnung muss zwischen Anfang Juni 1637 und Anfang Mai 1642 angefertigt worden sein, als die Hessen begannen, die Giebel und Dächer der Mauern und Türme rings um die Stadt zu entfernen. (*6)
Abschließend eine Vermutung, die der bisherigen Überlieferung widerspricht: Die Zeichnung wurde mit Sicherheit n i c h t von Gelenius angefertigt; zwischen seiner markanten, kräftigen Schrift und den unsicheren, dünnen Linien der Federzeichnung liegen Welten. Hätte er die Zeichnung selbst angefertigt oder beim Zeichnen daneben gestanden, wäre ihm sicherlich nicht die falsche Beschriftung zweier Gebäude passiert. Bei genauerem Hinsehen sieht man, dass die beiden kräftigen Überschriften "hospitalis kirch" bzw. der "jungfrauen kirch" durchgestrichen und ausgetauscht worden sind.


Abb. 3 Rekonstruktion der Stadtsilhouette nach den Farragines von Peter Bohnes

3. Rück-Sicht:
Auf der Grundlage der Federzeichnung aus der Gelenius-Sammlung hat 1960 der Kempener Peter Bohnes die Silhouette der Stadt Kempen rekonstruiert - allerdings von Südosten, von St. Peter aus.

3.1. Die Technik
Bohnes fertigte seine Zeichnungen mit der Tuschfeder an. Die Gebäude kolorierte er mit blauem bzw. schwarzem Stift. 35mal hat der Kempener seine Zeichnung von Hand ver­viel­fältigt, weil Mitbürger sie sich als Wandschmuck wünschten. Dabei pauste er die Vorlage auf Karton mit Bleistift durch und zog die Linien mit Tusche nach bzw. kolorierte sie. 1971 übergab Peter Bohnes die - wie er damals sagte - letzte Zeichnung an seinen Vater Johann Thelen sen.

3.2. Der Zeichner

Peter Bohnes war ein bemerkenswerter Mensch. Am 1. Oktober 1903 in Kempen geboren, besuchte er die Volksschule und dann, um selbst Lehrer zu werden, das königlich-preußische Lehrerseminar dortselbst. Aber mit 17 erlitt er einen tragischen Unfall beim Sprung vom Dreimeter-Brett in der Kempener Badeanstalt. Lähmungserscheinungen traten auf, von einem Tag auf den anderen musste der junge Mann die zweite Klasse der Vorbereitungsstufe - der Präparandie - verlassen. Die Krankheit fesselte Peter Bohnes jahrelang an Bett und Rollstuhl. Von 1919 bis 1930 war er wegen einer Hüftgelenkentzündung arbeitsunfähig.

Aber er gab nicht auf, versuchte, aus seinem schweren Schicksal das Beste zu machen. Die aufgezwungene Muße brachte ihn zur Be­schäf­tigung mit der Geschichte der Vaterstadt - und zu deren kunstvollen Darstellung. 1926/27 schuf er in mühevoller Laubsägearbeit, das heute noch im Kramer-Museum zu bewundern ist und im Maßstab 1: 300 die Festung Kempen im 17. Jahrhundert zeigt.
(Abb. links: das Stadt­modell. Weitere Fotos: Klick!)
Zuvor war Bohnes mehrere Tage im Rollstuhl durch die Stadt gefahren, um die historischen Gebäude maßstabgerecht ab­zu­zeichnen.

Ans Haus gebunden, brachte der Geschichtsliebhaber seine Bibliothek nach und nach auf einen beachtlichen Stand. Er bildete sich in künstlerischer Schrift aus und fertigte Hunderte von Urkunden, Diplomen und Wandsprüchen an – übrigens auch die Ehrenurkunden, mit denen am 20. April 1933 die Stadt Kempen Adolf Hitler und Paul von Hindenburg zu ihrem Ehrenbürger ernannte.
Ehrenamtliche Arbeit im Kempener Kran­ken­haus brachte ihn mit der damals stadt­bekannten Schwester Elfriede zusammen - 1936 heirateten die beiden. In diesem Jahr war er auch wieder soweit hergestellt, dass er als Angestellter der Landkrankenkasse (am Moorenring in der Nähe der Post gelegen) arbeiten konnte. 1957 ging er in den Ruhestand, widmete sich verstärkt seiner geliebten Zeichenkunst.
Drei Jahre später erarbeitete er die historische Stadtsilhouette, die Kempen im 17. Jahrhundert zeigt.
Um eine Vorstellung von Bohnes' liebe­vollem Ein­füh­lungs­ver­mö­gen zu geben, haben wir die Zeich­nun­gen am Seitenende ein­ander ge­gen­über­ge­stellt.
Als passionierter Amateurfotograf do­ku­men­tierte er den Aufbau der Thomasstadt in der Nachkriegszeit, stellte eine bunte Bildauswahl aus 200 Dias zusammen und führte sie auf vielen Unterhaltungsabenden vor. Als Zutat lieferte er meisterhaft erzählte Dönekes aus Alt-Kempen.
Im Januar 1977 ist er in seinem Heim an der Kleinbahnstraße 9 überraschend an den Folgen eines Herzinfarkts verstorben. Nur wenige haben Kempen so geliebt wie er.

3.3. Die Darstellung im Einzelnen

Modell des früheren Petersturmes, in einer Vitrine ausgestelltIn der Mitte steht das 1660 eingestürzte Petertor (Abb. links), von dem heute nur noch der östliche Teil des Vortores erhalten ist: der Peterturm. Links vom Engertor erheben sich die drei Türme der Burg, mit barocken Dächern geschmückt. Sie stammen vermutlich aus dem Jahre 1634, als der kurkölnische Amtmann Konstantin von Nievenheim die Burg zum Schloss umgestalten ließ.Links neben dem uns vertrauten Turm der heutigen Propstei­kirche erkennen wir den Kapellenturm des Kempener Hospitals an der Heiliggeiststraße. Allerdings sehen wir auch zwei Gebäude, die es so im 17. Jahrhundert noch nicht gab: Das Kuhtor in seiner umgebauten Form und das neue Franziskanerkloster.
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