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Anno Dazumal
Rathaus

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2. April 1749:
Die Waage wird neu gebaut!
Kempens altes Rathaus – und seine wechselvolle Geschichte
von Hans Kaiser

Unter dem Schutz des Kölner Erzbischofs, der gerade seine Burg fertig gestellt hat, entwickelt sich die Stadt Kempen zu einem dynamischen Gemeinwesen.
1294 hören wir von Bürgermeistern, seit 1322 entwickelt sich ein Stadtrat, 1372 kommt das Marktrecht. Daraus entstehen nicht weniger als sechs Märkte jährlich, die Zahl ist im Kurfürstentum Köln Spitze. Fehlt nur noch ein Rathaus.
Das wird kurz vor 1400 gebaut: natürlich am Markt – wo sich heute der Durchgang zum Kirchplatz und die Niermann-Arkaden befinden. Ein schlichter Bau, denn in Kempen hängt das Bürgerherz an der Pfarrkirche. Die liegt im Zentrum der Stadt, und Spenden und Vermächtnisse fließen nicht in ein repräsentatives Stadthaus wie in Kalkar oder Wesel, sondern in das Gotteshaus. Vor dem Gebäude steht in einer Halle die Stadtwaage. Mit ihr wiegt der Waagemeister die auf dem Markt feilgebotenen Feld- und Gartenfrüchte nach.

Kempens historische Rathäuser im Stadtmodell des Kramer-Museums: Die erste Verwaltungszentrale (gelb umrandet, rechts) ist ein funktionaler Vielzweckkbau. Er dient den Treffen der Zünfte und Bruderschaften, den Sitzungen des städtischen Rats und des kurfürstlichen Gerichts. Noch sind Bürgerschaft, Stadt- und Landesverwaltung eng verzahnt. Links (rot umrandet) das neue, bürgerstolze Rathaus.
1749: „Die alte Waage“ oder „das Herrenhaus“, wie man den ersten Verwaltungsbau nennt, ist in die Jahre gekommen, Ersatz muss her. Am 2. April 1749 beschließt der Stadtrat den Neubau eines ansehnlichen Rathauses. Die Stadtwaage steht nun in einem vorgesetzten Arkadengang. Höchste Zeit für den Neubau: 1753 stürzt das alte Gebäude ein. Seine Grundfläche bleibt fortan leer und heißt „Rathausplatz“.

Die markante Waage bestimmte das Bild des Marktplatzes. Das Rathaus mit seiner vorspringenden Laube war das einzige seiner Art nördlich von Köln. Nach dem Krieg wurde es abgerissen – wie so vieles in Kempen.
1936: Als Kempen, Schmalbroich und St. Hubert zum „Amt Kempen“ zusammengeschlossen worden sind, platzt das alte Rathaus aus allen Nähten. 1938 zieht die Verwaltung um – in das geräumige Haus Herfeldt, Engerstraße 48. In die Waage ziehen NSDAP-Dienststellen ein. Die Bevölkerung tauft das Gebäude „Das braune Haus“. Am Ende steht die Zerstörung durch zwei Luftangriffe.

Das Braune Haus, April 1939. Seit August 1938 waren im alten Rathaus die NSDAP-Ortsgruppe und ihr Parteiheim untergebracht, außerdem die Dienststellen des nationalsozialistischen Jungvolks und der Hitlerjugend. Am 20. April 1939 meldeten sich hier 50 Zehnjährige aus Kempen im Deutschen Jungvolk an.
Bild: Propsteiarchiv

Die Ruine um 1950 (rechts anschließend: Haus Winterscheidt). Am 8. November 1944 war die Waage durch amerikanische Jagdbomber schwer beschädigt worden und noch einmal beim letzten Bombenangriff am 2. März 1945. Nach heftigen Debatten im Stadtrat fand sich eine Mehrheit für den Abbruch.

1964 begann der Bau des heutigen Rathauses, am 21. Mai 1967 wurde es eingeweiht.

Die offizielle Website der Stadt Kempen finden Sie HIER!