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Anno Dazumal
Franzisk.-Kloster
Burgstraße

Anno Dazumal:
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Kempens Klosterviertel
- eine Zeitreise
von Hans Kaiser
Abb. 1. Die prägenden Gebäude des Klosterviertels (von rechts): Das Kloster, Unterkunft zunächst für Franziskaner, dann für das Thomaeum, das Lehrerseminar, das Kramer-Museum (seit 1912), das Finanzamt und schließlich die Kreisverwaltung, seit 1987 Kulturforum; der Verwaltungsneubau, der ab 1961 der Kreisverwaltung diente und von 1985 bis 2001 der Polizei; das 1917 fertig gestellte und 1974 abgerissene Hohenzollernbad.

Das neue Wohn- und Geschäftszentrum an Burg- und Orsaystraße – Etappe einer langen historischen Entwicklung. Hier ein Rückblick auf vier Jahrhunderte Bau-Historie an der Burgstraße.

Abb. 2. Das Kloster als Seminar. Von 1840 bis 1910 bereiteten sich hier junge Männer – in der Regel drei Klassen mit jeweils 30 Zöglingen – auf den Beruf des Volksschullehrers vor, lustwandelten in einer sorgsam gepflegten Gartenanlage.

1400: Paradeweg zur Burg
Die Burgstraße war ursprünglich der Verbindungsweg der um 1400 fertig gestellten Kempener Burg mit der Innenstadt. Hier standen Ratsherren, Schützen und Bürger Spalier, um ihren Landesherrn, den Erzbischof von Köln, mit Salven und Böllern zu begrüßen, wenn der, vom Enger- oder Kuhtor kommend, zur Burg rollte. Während die Patrizier ihre Häuser um Markt und Kirche bauten, siedelten hier am Stadtrand Kleinbauern und kleine Handwerker.
Seine erste Aufwertung verdankt der schlichte Fahrweg der Gegenreformation. In Kempen dominierten vor 400 Jahren die Evangelischen. Um sie zur Rückkehr zum alten Glauben zu bewegen, errichteten Franziskanermönche von 1627 bis 1630 an der Ecke Tiefstraße/Burgstraße eine Art Missionszentrum: ein Kloster mit Garten. 1637 wird die Paterskirche fertig gestellt.
Aber bald schon setzen an den Klostergebäuden Abriss und Verfall ein, ein Feuer bringt weiteren Schaden. Im August 1745 weilt Kurfürst Clemens August in der Burg. Angesichts des desolaten Konvents bricht er in den Ausruf aus: „Oh, was ein wüstes Kloster, was eine wüste Kirch!“ Mit kurfürstlicher Hilfe wird bis 1748 das Gebäude erneuert und erweitert, und der berühmte Würzburger Architekt Balthasar Neumann liefert den Vorentwurf.
1802, nachdem der Niederrhein an Frankreich gekommen ist, vertreibt die säkulare Verwaltung die Mönche. 1804 zieht hier das städtische Gymnasium ein, dazu kommt 1840 ein staatliches Lehrerseminar. Das errichtet an der Burgstraße verschiedene Nebengebäude.

Abb. 3. Die Burgstraße 1879, von Seminarbauten geprägt. Der düstere Bau einer 1863 errichteten Turnhalle, die lang gestreckte Umfassungsmauer der Seminargärten und ein Ökonomiegebäude, hier gerade im Abbruch, verliehen der früh gepflasterten Auffahrt zur Burg den Charakter einer toten Nebenstrecke.


Abb. 4 -6. 1878 erhielt das Seminar ein neues Wirtschaftsgebäude an der Burgstraße/Ecke Thomasstraße. Im Ersten Weltkrieg diente es als Lazarett, dann als Katasteramt und wurde 1960 abgerissen.


Abb. 7 - 8. Das noch von Bombenschäden lädierte Kloster 1956. Im Garten steht seit 1953 eine Reichsarbeitsdienst-Baracke aus Vinkrath für das Kreis-Lastenausgleichsamt. 1957 wird sie auf den Flugplatz Niershorst bei Grefrath gebracht.

1918: Kraulen für das Kaiserpaar
Die Silberhochzeit des Kaiserpaares am 27. Februar 1906 veranlasst den Stadtrat zur Stiftung eines Fonds zur Errichtung einer städtischen Badeanstalt. Eingedenk des Ehrentages der Majestäten soll sie den Namen „Hohenzollernbad“ erhalten und an der heutigen Ecke Orsaystraße/Burgstraße anstelle der alten Turnhalle des Lehrerseminars entstehen, die bereits Baderäume aufwies. Aber vielen gilt das öffentliche Baden noch als anstößig, und die Spenden fließen nur spärlich. Erst als 1912 ein Ungenannter einen Betrag von 20.000 Reichsmark zeichnet, als 1914 die Stadt eine größere Anleihe bei der Sparkasse aufnimmt, beginnen die Bauarbeiten. Unterbrechungen, durch den Ersten Weltkrieg (1914-1918) bedingt, lassen den regulären Badebetrieb erst am 1. August 1918 zu.


Abb. 9. Der Jugendstilbau des Hohenzollern-Bads (links, dahinter der Kreissitzungssaal) wich der Anlage der Orsaystraße. Auf der anderen Straßenseite fielen die Häuser Foerster und Ledschbor.

1961: Die Kreisverwaltung geht ins Kloster
Kempen ist seit 1816 Kreisstadt, aber die Kreisverwaltung leidet schon lange unter Platzmangel. Als 1957 das Finanzamt aus dem ehemaligen Franziskanerkloster auszieht, beschließt der Kreistag, einen Erweiterungsbau neben dem Kloster zu errichten und dieses selbst als Dienstgebäude zu nutzen. Geistiger Vater des Kreisbaus wird der Architekt Hannes Martens aus St. Hubert, auch als Heimatdichter und –forscher bekannt. Kloster und Neubau sollen gleich hinter dem Rokoko-Saal ebenerdig, durch einen zur Burgstraße offenen, im ersten Obergeschoss aber verglasten Laubengang verbunden werden. Ein großer Sitzungssaal ist dem neuen Bürotrakt vorgelagert.

Abb. 10/11. Das frei einsichtige Franziskanerkloster mit dem Kreishaus im Hintergrund um 1960 und das Verwaltungsgebäude als Polizeidienststelle, 2003

Das ist die Basis für die endgültigen Baupläne, die im ersten, zweiten und dem zum Innenhof hin neu aufgesetzten dritten Obergeschoss des Klosters 53 moderne Büroräume bringen. Am 9. November 1961 werden die neuen Gebäude eingeweiht. Aber 1975 verliert die Stadt Kempen den Kreissitz an ihren westlichen Konkurrenten. 1984 treten die letzten im Kreishaus verbliebenen Ämter ihren Umzug in das neue, monumentale Verwaltungsgebäude in Viersen an.
Nach letzten Einquartierungen – Polizei und schließlich die „Kempener Tafel“ – setzt der Abbruch ein; für die „Beamtenlaufbahn“ zwischen Kloster und Neubau im Februar 2012, für das Kreishaus selbst im März 2012.


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